Geschichte

Bereits 1919, nach Ende des ersten Weltkrieges, gründete man einen Kapellverein zum Zweck der Errichtung eines Kappelhauses in Sandkrug. Dr. Wintermann schenkte der Kirche das Grundstück, auf der die Holzkirche steht.

 

Auch der zweite Weltkrieg brachte die Pläne des Kapellvereins ins Stocken. Nachdem Ostern 1936 die Schule Streekermoor, in der zunächst Gottesdienste abgehalten wurden, auf Anordnung der NSDAP für Gottesdienste geschlossen. Ein Sandkruger Bauer, der anwesend war und gegenüber der Schule wohnte, nahm die Leute mit in sein Haus. Hier fanden von nun an die Festgottesdienste statt. In zwei weiteren bäuerlichen Stuben fand bis 1945 der Konfirmandenunterricht statt. Mit welchem Aufwand diese Gottesdienste verbunden waren, ist heute kaum noch vorstellbar.

 

Eine Zeitzeugin berichtete: „[…] Sonntags musste besonders früh aufgestanden werden, damit das Melken rechtzeitig fertig wurde und das Vieh gefüttert war. Dann musste der „Gottesdienstraum“ hergerichtet werden, das heißt die Bänke wurden aus der Scheune geholt, aufgestellt und gesäubert. Das gleiche geschah auch am Dienstagnachmittag für den Vorkonfirmanden- und Konfirmandenunterricht. […] Aufgrund der Haltung des nationalsozialistischen Staates gegenüber den christlichen Gemeinden, hatten das spontane Eintreten und Durchhalten evangelischer Männer und Frauen einen besonderen Stellenwert.“

 

Im April und August 1946 trafen dann die Flüchtlinge der damaligen deutschen Ostgebiete in Sandkrug ein. Mehr als über 1000 Vertriebene wurden schließlich den Bauernschaften Streek I, II und III zugewiesen. Diese standen über Nacht vor einem fast unlösbaren Problem. Baracken, Lagerräume, Schuppen, Scheunen und Stallungen mussten vorläufig als Obdach dienen.

 

Entstehung der Holzkirche:

Unter den Flüchtlingen von 1946 waren auch Pastor Waschek sowie der katholische Geistliche Pfarrer Christian. Durch den enormen Zustrom an Menschen, schaltete man den Oberkirchenrat ein, da unsere Kirchengemeinde überfordert war. Schnell konnte der Oberkirchenrat eine Holzbaracke erwerben, die in den letzten Kriegsjahren von der Firma C.W. Meyer als Außenlagerstelle genutzt worden war. Im Jahre 1946 baute man diese Lagerhalle zur Holzkirche um. Im gleichen Jahr erhielt Pastor Waschek vom Oberkirchenrat den Auftrag, die evangelischen Gemeindemitglieder in Sandkrug zu betreuen. Die Innenausstattung der Holzkirche wurde von Sandkruger Handwerkern ausgeführt. Ein ortsansässiger Zimmerermeister baute die Kirchenbänke. Der Altar, der Unterbau der Kanzel sowie die Sakristei wurden von einem Kirchenältesten, der gleichzeitig Maurermeister war, angefertigt. Nur eine Orgel fehlte.

 

Schon Ende 1946 wurde als Ersatz für die Orgel ein Harmonium zur Verfügung gestellt, das sich auch heute noch im Altarraum der Holzkirche befindet.

 

Bau des Glockenturms und der Erwerb einer Kirchturmglocke:
Anfang 1952 erhielt die Holzkirche einen Kirchturm, der dem Stil der ehemaligen Lagerhalle angepasst wurde. Wie die heutige Kirchturmglocke in den Kirchturm kam, macht ein Artikel der NWZ vom 31.12.1966 deutlich.

 

"„Schlesier hören in Sandkrug eine Stimme aus ihrer Heimat. – Im 14. Jahrhundert gegossen. Wenn zu Silvester überall im Oldenburger Land die Glocken geläutet werden, mischt auch eine ihre Stimme darunter, die Jahrhunderte lang viele Kilometer entfernt tönte und die in Sandkrug vielen Menschen half, sich schnell an ihre neue Heimat zu gewöhnen. Wenig auffallend erscheint ihr Äußeres, wenn man sie im Glockenstuhl der behelfsmäßigen „Barackenkirche“ auf halsbrecherischem Weg besucht. Die über sie vorhandenen Schriftstücke sind nicht zahlreich, in ihrem langen Lebenslauf gibt es viele Lücken. Aber was von ihr bekannt ist, reicht aus, sie eine „Glocke mit Geschichte“ zu nennen.

 

Keine Inschrift verrät ihren Namen und den Tag ihrer Fertigstellung, nur der an einer Stelle ausgezackte Glockenrand weist darauf hin, dass sie von den Wirrnissen der Zeit nicht verschont geblieben ist. Sie stammt aus der Nähe von Liegnitz. In Goldberg, das seinen Namen von dem einst dort gefundenen Edel-Metall erhielt, rief sie jahrhundertelang zum Gottesdienst.


Sie wurde im 14. Jahrhundert gegossen und, obwohl in ihrem 63 Kilogramm schweren Körper sicher kein Gramm Gold enthalten ist, bewies sie doch dessen sprichwörtliche Treue. Bei Kriegen und Seuchen, die über das Land hereinbrachen, ließ sie ihre Stimme ertönen wie bei festlichen Anlässen. Während der Hitlerzeit sollte sie, wie so viele andere Glocken, eingeschmolzen werden. Sie landete auf dem Hamburger Glockenfriedhof“. Durch einen Zufall blieb sie vor der Vernichtung bewahrt. Ihre Geschichte war noch nicht zu Ende. 

 

Wo wäre sie besser aufgehoben gewesen als in Sandkrug, wo sich nach dem Krieg so viele Schlesier angesiedelt haben, dass sie heute fast die Hälfte der dort ansässigen Bevölkerung ausmachen.

Zunächst wurde die Glocke vom Oberkirchenrat leihweise für die Barackenkirche zur Verfügung gestellt, später „erworben“, indem man für sie 30 DM in einen Fond zahlte.

 

Im September 1951 wurde sie der Sandkruger Gemeinde bewillig, am 5. April 1952 läutete sie zum ersten Mal vom neu errichteten Glockenstuhl. […] Seitdem klingt sie für alle Christen in Sandkrug und Umgebung.

Viele, viele Jahre wurde sie […][manuell] geläutet. […] Erst im Jahre 1980 erhielt der kleine Holzturm ein elektrisches Läutwerk, dass sich jeden Abend um 19.00 Uhr einschaltet und die alte Glocke zum Klingen bringt.“

 

Der Bau des Pfarrhauses und der Kreuzkirche:

1948 bewilligte der Oberkirchenrat den Bau des Sandkruger Gemeindehauses, das 1950 fertig gestellt wurde.
Im Jahre 1971 forderten die Kirchbesucher ein neues Gotteshaus – die Kreuzkirche. Die Wichtigkeit dieses neuen Gotteshauses machte die ehemalige Küsterin Frau Auguste Hoffmann in einem von ihr selbstverfassten Gedicht deutlich:

 

„Nun ist es soweit und wir sind bereit
Unsere „Kreuzkirche“ zu betreten.
Lieber Gott, Dir sei Dank, unser Leben lang
Für die „Kirche“, um die wir flehten,
Dass auch hier wir dürfen beten.

 

Wollen singen recht gern
Unserm Herrn Christus zu ehren.
Er hat das Heul uns erworben
Als am „Kreuz“ er für uns ist gestorben.
Bringen Ihm Lobgesang mit der Orgel Klang,
auch Flötenspiel und Posaune
erschalle in diesem Raume.

 

O heiliger Geist, kehr auch hier bei uns ein,
Lass auch dies Haus Deine Wohnung sein.
O komm du Herzenssonne.
Du Himmelslicht, lass auch hier deinen Schein
Bei uns und in uns kräftig sein,
zu unsers Herzens Wonne.

 

Liebe Christenleute, wir wollen auch heute
Der Barackenkirche gedenken.
In Liebe und Treue ihr unsre Erinnerung schenken.
Die Losung von dort ist das Gotteswort:
„Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses
Und den Ort, da Deine Ehre wohnet.““

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